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Kloster Dobbertin

Veröffentlicht in Ausflugstipps

Idyllische Lage, bedeutendes Bauwerk und bewegende Geschichte. Diese drei Punkte machen den Besuch des Klosters Dobbertin so interessant.

 

Kloster Dobbertin HerbstDie Lage: Das Kloster liegt auf einer Halbinsel im Dobbertiner See im Westen der Mecklenburger Seenplatte. Direkt am Fuße des Klosters verfügt es über einen eigenen Bootsanleger. Umgeben ist es vom Klostergarten, einem Park, der das Kloster vom nahe gelegenem Ort Dobbertin trennt. Das Kloster Dobbertin ist das einzig noch erhaltene Kloster an der Mecklenburgischen Seenplatte.

 

Parken kann man auf dem Gelände nicht. Das ist aber auch gut so. So kann man im Ort parken und entlang einiger Ferienhäuser auf dem Weg zum Kloster einen Schlenker zum Klosterfriedhof machen. Dieser strahlt Ruhe und Würde aus. Unter alten Linden, die zum Teil mit Efeu überhangen sind, liegen alte Grabkreuze und Grabtafeln. Man kommt sich vor wie in Irland. Interessant es auch, die Inschriften der Grabsteine zu lesen. Wirklich Prominente wurden hier nicht begraben, aber es lässt sich erahnen, dass dieser Ort Geschichte hat.

 

Turm Kloster DobbertinDas Bauwerk: Überragt wird das gesamte Anwesen von den Doppeltürmen der Klosterkirche. Geplant wurde das Bauwerk im neugotischen Stil um 1820 von Karl Friedrich Schinkel. Er selber setzte die Pläne allerdings nicht um, sondern überlies es Georg Adolph Demmler den Umbau der Klosteranlage zu leiten. Heute steht der Kirche weit sichtbar auf der Halbinsel des Dobbertiner Sees.

 

Neben der Kirche sind noch andere Teile des historischen Klosters erhalten geblieben. Im Süden der Kirche, Richtung Dobbertiner See, befindet sich der überdachte Kreuzgang, der Klosterinnenhof und die Klausurgebäude Hier spielte sich das strenge Klosterleben ab. Erhalten sind beispielsweise das Refektorium und das Dominahaus.

 

Die Geschichte: Gegründet wurde das Kloster von Benediktinern vor circa 800 Jahren. Ein gutes Jahrzehnt nach der Gründung wurde das Kloster zum Nonnenkloster umfunktioniert. Ein Tag im Kloster war lang und geprägt vom Gebt und den kargen Lebensverhältnissen.

 

Nach der Reformation, die die Nonnen mit Eifer bekämpften, fand die Anlage ab dem Jahr 1524 als adliger Damenstift „Zur christlichen Auferziehung inländischer Jungfrauen”. Das „Who is who“ des Mecklenburgischen Adels schickte seine Töchter nach Dobbertin, die hier als Konventualinnen lebten. Mit klösterlicher Armut hatte das Leben der jungen Adligen allerdings wenig zu tun.

 

Jede Konventualin verfügt über eine eigene Wohnung, die meist sechs oder mehr Zimmer hatte, und eigene Bedienstete. Die Plätze im Damenstift waren sehr begehrt, sodass die Adelsfamilien ihre Töchter (zur Vorsicht) schon kurz nach der Geburt im Kloster anmeldeten. Im Einschreibebuch des Stiftes finden sich Namen aller berühmten mecklenburgischen Adelsfamilien (von Blücher, von Bülow, von Moltke etc.)

 

Nach dem ersten Weltkrieg und dem Ausrufen der Weimarer Republik kämpfte der Damenstift um sein Überleben. Streitfrage war immer wieder, ob neue Damen aufgenommen werden konnten und wie nicht genutzter Wohnraum belegt werden sollte. Die Situation verschärfte sich nach der Machtübernahme durch die Nazis. Immer wieder wurde versucht Einfluss auf das Kloster zu nehmen.

 

Die eigentliche Katastrophe setzte dann aber mit dem zweiten Weltkrieg ein. Es kam immer häufiger dazu, dass das Kloster vom Militär genutzt wurde. Die Versorgung für die Konventualinnen brach mit dem Einmarsch der roten Armee zusammen. Einige Damen retteten sich auf die Güter ihrer Familien, viele starben an Seuchen und Mangelernährung. Ein paar Bewohnerinnen vegetierten noch Jahre in nicht genutzten Gebäuden des Klosters vor sich hin.

 

Mit Gründung der DDR wurde bestimmt das Kloster in ein Altenheim umzuwandeln. Daraufhin kehrten auch einige ehemalige Konventualinnen ins Kloster Dobbertin zurück. In den sechziger Jahren wurde aus dem Altenheim eine Außenstelle der Bezirksnervenklinik Schwerin. Die dreißig Jahre bis 1991, in dem die Diakonie die Einrichtung und die Gebäude des Klosters übernahmen, sind historisch sicherlich schwierig zu bewerten. Fakt ist, dass es sich um einen Langzeitbereich für Geistigbehinderte und psychisch Kranke galt handelte. Die Zustände in der Einrichtung können sicherlich nicht mit heutigen Standards verglichen werden, allerdings galt Dobbertin auch zu DDR-Zeiten als „abschreckendes Beispiel“ (O-Ton Webseite Kloster Dobbertin) für die Massenunterbringung von Geistigbehinderten.

 

Das Kloster Dobbertin, ein Ort der viele Geschichten und Tragödien gesehen hat und eine wunderschöne Anlage in herrlicher Lage.

 

Ausflug: (was man noch wissen sollte)

 

Parken: wie oben beschrieben in der Regel nur außerhalb des Klostergeländes

Cafe: Ein nettes kleines Cafe, in dem man auch essen kann, in dem auch Bewohner der Einrichtung arbeiten. Empfehlenswert!

Führungen: für Einzelpersonen und Kleingruppen immer mittwochs und samstags um 15 Uhr. (drei Euro pro Person) Größere Gruppen können auch extra Termine vereinbaren.

 

Anfahrt vom Krakower See: Krakow am See auf der B103 Richtung Süden verlassen, nach vier Kilometern rechts Richtung Goldberg. Nach zehn Kilometern links auf die B192 bis nach Dobbertin. Dann den Schildern folgen.

 


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Kommentare (5)
5Dienstag, 04. September 2012 11:31
kerzmann


zum Dorf sind es vom Kloster nur ein paar Minuten. der Park ist sehr schön


4Sonntag, 12. Februar 2012 16:21
Kerstin


Ein wundervoller Ort, gerade im Herbst. Erinnert an Franz Kafka. Sehr mystisch auch der Friedhof


3Donnerstag, 01. September 2011 13:05
Familie Rohner


sehr beeindruckend


2Mittwoch, 10. August 2011 21:53
Circella
Bei Regen und Nebel fast gespenstisch...
1Mittwoch, 22. Juni 2011 22:44
Micha73
Herrlich gelegen. Waren relativ früh morgens da und hatten die Anlage für uns. Trotz des Regens sehr beeindruckend.