Drucken

Krakow am See

Veröffentlicht in Städte und Dörfer

Die StadKrakow am See, Mecklenburgische Seenplattet Krakow am See ist mit circa 3.000 Einwohnern die "größte" Ortschaft am Krakower See. Es gibt zahlreiche Restaurants und Hotels.

Obwohl Krakow am See das Zentrum der Ferienregion "Krakower See" ist, wirkt die Stadt auch in der Hochsaison nicht überlaufen. Die Stadt liegt am nordwestlichen Ufer des Sees und bietet sich als Ausgangspunkt für viele Unternehmungen an. Sei es zu Fuß, per Fahrrad oder mit dem Boot. Der Ort verfügt über eine touristische Infrastruktur. Es gibt mehrere Fahrrad- und Bootsverleiher, sowie eine städtische Touristeninformation am Marktplatz. Die meistenen Urlauber bewohnen während ihres Urlaubs ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung.

Erste Siedlungen

Seepromenade, Krakow am See, Mecklenburgische Seenplatte

Besiedelt wurde die Region zunächst von den Slawen. Auf einer Insel (Borgwall) im See findet man noch die Überreste einer slawischen Ringfestung. Auch in Seegrube gilt eine frühe slawische Siedlung durch archelogische Funde als bewiesen.

Geschichte der Stadt im Mittelalter

Erstmals urkundlich erwähnt wird die Stadt Ende des dreizehnten Jahrhunderts. Die Bevölkerung lebte vor allem vom Ackerbau, aber natürlich auch von dem fischreichem Seen und den ausgeprägten Wäldern rund um die Stadt.

Eine schon früh gegründete jüdische Gemeinde lässt auch auf eine rege Handelstätigkeit schließen. Weniger ruhmreich ist die Tatsache, dass es im Jahre im Hochmittelalter in Krakow zu so genannten Hostienschändungsprozessen kam. Den jüdischen Mitbürgern wurde vorgeworfen, geweihte Hostien geschändet zu haben. Für die meisten Angeklagten endeten diese Prozesse mit dem Tod. Noch heute weist der Name "Am Jörnberg" (Judenberg) auf die Hinrichtungsstelle hin. Trotzdem gab es noch lange eine jüdische Gemeinde in Krakow. Zeugnis hierfür ist die 1866 erbaute Synagoge, die man heute besichtigen kann.

Im Laufe der Jahrhunderte überlebte die Stadt mehrere Großbrände, den letzten 1759. Der heutige Grundriss der Stadt geht auf dieses Ereignis zurück.

Neue Impulse bekam die Stadt durch zwei Infrastrukturprojekte: 1882 erhielt die Stadt einen Bahnhof an der Bahnstrecke zwischen Güstrow und Plau. 1884 wurde ein Damm aufgeschüttet der seitdem den Unter- und den Obersee trennt. Ermöglicht wurde dadurch der Bau einer Straße nach Dobbin, die heutige L204.

Anfänge des Fremdenverkehrs zur Kaiserzeit

Ferienhaus in Krakow am See an der Mecklenburgischen SeenplatteDank der verbesserten Erreichbarkeit fanden nun zunehmend Kurgäste in den Ort. Neben der reizvollen Landschaft war es vor allem die der Gesundheit zuträgliche gute Luft, die die Gäste nach Krakow führte. Die touristische Infrastruktur entwickelte sich: 1897 wurde der Aussichtsturm auf dem Jörnberg errichtet, 1900 die Badeanstalt eröffnet und 1909 das Kurhaus an der Seepromenade gebaut. Sicherlich kann das zarte Pflänzlein des Fremdenverkehrs am Anfang des zwanzigsten Jahrhundert noch nicht als Massentourismus bezeichnet werden. Zu meist verdienten Bewohner des Ortes mit den Sommergästen ein Zubrot. Hotels gab es wenige.

Tourismus zu DDR-Zeiten

Erst in der DDR setzte der organisierte Fremdenverkehr ein. Vorteil war hierbei der Anschluss an das Netz der Deutschen Reichsbahn (DDR). Der Bahnhof Krakow am See lag zwar nur an einer für den Personenverkehr eher unbedeutenden Strecke (Güstrow – Meyenburg). Allerdings wurde diese Strecke zu DDR-Zeiten stets gehegt und gepflegt. Das lag daran, dass man die Produkte aus Land- und Forstwirtschaft abtransportieren musste. Außerdem befand sich in Bossow (circa vier Kilometer südlich von Krakow am See) eine Panzerverladestation für den großen Panzerverband der NVA, der in der Schwinzer Heide stationiert war. Für einen reibungslosen und zügigen Aufmarsch (zu dem es ja Gott sei Dank nie gekommen ist) wurde die Bahnstrecke stets gut in Schuss gehalten.

Stadtsee Krakow am SeeDie Eisenbahn, in der DDR Fortbewegungsmittel Nummer 1, fuhr in den fünfziger Jahren Krakow am See direkt von Berlin an. Eine ideale Voraussetzung für die Entwicklung des Tourismus. Es entstanden die für den DDR-Tourismus typischen Strukturen. Behörden und Betrieb bauten oder „sicherten sich“ reizvolle Feriendomizile. Die Staatssicherheit betrieb eine Erholungseinrichtung für gestresste Mitarbeiter am Nordufer des Krakower Sees. Das große Grundstück am Windfang bot neben Ferienwohnungen und Badestrand auch ein Haupthaus, in dem die Mahlzeiten gereicht wurden. In Seegrube (Gemeinde Kuchelmiß) bauten unter anderem die MINOL (Mineralölkonzern der DDR) und die VEG Vogelsang (Agrarkonzern) Datschen für erholungssuchende Werktätige und Bonzen. Einige Kilometer vom Krakower See entfernt fand Erich Honecker am Drewitzer See einen Ort zum entspannen. Er und sein Gefolge widmeten sich im Urlaub vor allem der Jagd.

Ab den sechziger Jahren fuhr der direkte Bahnverkehr von Berlin an Krakow am See vorbei. Die Hauptroute lief nun über Waren nach Rostock. Allerdings setzte man im Sommer Sonderzüge ein, um die urlaubsreifen Volksgenossen nach Krakow an die Seenplatte oder nach Rostock an die Ostsee zu bringen. Die Züge sammelten die Reisenden in Berlin oder in den Wirtschaftszentren in Sachsen ein.

Bootshaus am Krakower SeeAb dem Ende der siebziger Jahre fuhren diese Züge nicht mehr Krakow am See, sondern die Müritz an. Ein Rückschlag für den Ort. Allerdings verfügten in den 80er Jahren schon viele Ostdeutsche über ein eigenes Auto, sodass der Verlust der Sonderzüge kompensiert worden konnte. Außerdem entwickelte sich neben dem vom Staat organisierten Urlaubsreise bereits der privat organisierte Urlaubstrip. Private Fremdenzimmer waren während der Sommermonate sehr gefragt.

Krakow am See nach der Wiedervereinigung

Nach der Wende gingen viele Ferienhäuser in private Hände über. Der Fremdenverkehr spielte weiterhin wirtschaftlich eine große Rolle. Touristische Großprojekte, wie das Ressort in Linstow, wurden aber außerhalb der Gemeindegrenzen realisiert. Negativ betrachtet verschlief der Ort sich offensiv als Fremdenverkehrsort zu positionieren. Positiv gesehen bewahrte Krakow am See seinen ursprünglichen Charme, Landschaft und Natur rund um den Krakower See und man fiel auf keine Betrüger oder Hochstapler herein, die Hallenbäder, Sanatorien, Wellnessoasen oder Golfplätze bauen wollten.

Nebel bei Krakow am SeeTrotzdem drängten sich andere Orte, wie Waren oder Plau, bei Urlaubern an der Seenplatte in den Vordergrund. Zumal sich Plau plötzlich offiziell den Stadtnamen Plau am See führte, ohne an einem See zu liegen. Zudem ist es für Krakow in der touristischen Vermarktung Segen und Fluch zugleich, dass es im nördlichen Zipfel der Mecklenburgischen Seenplatte eher abgelegen liegt und es keine direkte Wasserverbindung zur südlichen Seenplatte hat. So ziehen die Karawanen des in letzter Zeit ungemein populären Bootstourismus am Krakower See vorbei, ohne Geld in der Region zu lassen. Andererseits liegt der Ort in mitten unberührter Natur.

Heute ist Krakow am See ein touristisches Zentrum für die Region, das sich wohltuend abhebt von den anderen größeren Ortschaften an der Seenplatte. Während nach der Wende an den meisten Großseen mehr oder weniger hemmungslos gebaut wurde, wurde dies in Krakow verhindert. Geschätzt sind 95 Prozent des Uferbereichs des Krakower See nach wie vor unbebaut.

Die Stadt und der See behielten ihre Beschaulichkeit und ihren Charakter. Im Jahre 2000, also gut hundert Jahre nach Einsetzen des Fremdenverkehrs, erhielt die Stadt das Prädikat "staatlich anerkannter Luftkurort".

 


Diese Artikel interessieren Leser, die sich für Krakow am See interessiert haben: